Immer häufiger werden Notaufnahmen von Patienten ohne akute Erkrankungen aufgesucht. Patienten der Kategorien „normal“ und „nicht dringend“ (über das Manchester-Triage-System, kurz MTS in der Notaufnahme eingeschätzt) gehen inzwischen teilweise eher in die Notaufnahme als zum Hausarzt. Kopf- und Gelenkschmerzen oder eine Erkältung sind keine lebensbedrohlichen Erkrankungen, was sind also die Motive?

Martina Helene Schmiedhofer vom Arbeitsbereich Rettungsstellen/Notfallmedizin der Charité Universitätsmedizin suchte nach möglichen Erklärungen. Dabei zeigte sich, dass Jüngere, meist deutlich gesündere Befragte den raschen, niedrigschwelligen Zugang zur Notaufnahme schätzten und lange Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt angeben.

Besonders Terminschwierigkeiten mit den niedergelassenen Ärzten und Unzufriedenheit mit dem Hausarzt sind weitere Gründe der Befragten. Chronisch Erkrankte denken eher an die Leistungen der „Hightech“-Klinik-Medizin. Letztendlich wären da noch die beunruhigten Patienten, welche die Klinik Welt komplementär zur Hausarzt- oder Facharztversorgung sehen.

Doch was wäre ein Lösungsansatz zur Vermeidung der Überfüllung der Notaufnahmen?

Portalpraxen sind Favorit der Gesundheitspolitiker und Kassenvertreter. Vor Ort soll entschieden werden, ob eine Behandlung in der Praxis oder im Krankenhaus stattfinden sollte. „Portalpraxen sind sinnvoll, denn hier werden die stationären und die ambulanten Kapazitäten optimal miteinander verzahnt. Darüber hinaus werden unnötige Klinikaufenthalte vermieden“, so Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.
Eine Notaufnahmegebühr von 20 Euro kann sich Dr. Angelika Prehn, Vorsitzende der KV Berlin vorstellen, falls Patienten nicht per Rettungswagen eingeliefert werden. Im Falle eines Notfalls erhalten die Patienten ihren Obolus zurück.

Eine weitere Möglichkeit wäre, ähnlich den Gegebenheiten in den USA, in Kanada oder in skandinavischen Ländern, Walk-in-Kliniken zu schaffen. Mit medizinischer Hilfe rund um die Uhr für Patienten mit Zeitmangel oder ohne Hausarzt.

(Quelle: news.doccheck.com)